Computerspiele: Klare negative Wirkungen?
Cathrin schrieb am Mittwoch, 22. November 2006, 18:33
Ist Ballern am PC harmlos oder hinterlässt die Gewalt Spuren im Hirn? Die Diskussion um ein Ballerspiel-Verbot flammt nach der Amoktat in Emsdetten wieder auf. Der Artikel von Cathrin Günzel erschien am 21. November 2006 unter dem Titel “‘Ballerspiele sind gefährlich’” bei FOCUS Online.
Killerspiele sind gefährlich, sagt Hirnforscher Manfred Spitzer: “Das Spielen führt zu Abstumpfung gegenüber realer Gewalt. Die eigene Gewaltbereitschaft nimmt zu”, meint der Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm. “Diese Spiele haben ganz klare negative Auswirkungen. Wer das leugnet, leugnet die Fakten”, so der Professor. Es brauche keine Amokläufer, um zu wissen, wie schlimm Ballerspiele sich auswirken könnten: “Die Spieler werden gewalttätiger, trainieren sich Gewalthandlungen an.” Dass das Töten nur virtuelle geschehe, deshalb mit der Realität nichts gemein habe, sei Unsinn: “Natürlich weiß der Spieler, dass er am Computer sitzt. Aber das wissen wir auch, wenn wir im Kino einen Film anschauen - und trotzdem beschleunigt sich der Herzschlag, wir werden in den Film ‚hineingezogen’. Und warum gewöhnt die US-Armee Soldaten mit Hilfe von Computerspielen die Tötungshemmung ab, wenn das nicht funktionieren würde? Dann würde die Army das nicht machen.” Auch mit dem Mythos, Computerspielen trainiere die Aufmerksamkeit, räumt der Inhaber des Psychiatrie-Lehrstuhls der Ulmer Universität auf: “Wer noch keine Aufmerksamkeitsstörung hat, kann sie sich mit Ballerspielen antrainieren.” Denn das Problem der Menschen mit Aufmerksamkeitsstörung sei ja gerade, dass sie ihre Aufmerksamkeit überall haben. Die Action der Ballerspiele mit ihren zahlreichen visuellen Reizen erzeuge also keinen positiven Effekt. “Die übelsten Ballerspiele sollte man verbieten”, schlägt der Ulmer Professor vor, “Die anderen mit hohen Steuern belegen, sie damit teuer machen.”

