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Archiv zum Thema 'Design'

Freischwinger: Warum vier Beine, wenn zwei reichen?

Aus einer Bauhaus-Idee wurde ein weltberühmtes Möbel. Text: Cathrin Günzel und Sebastian Späthe, erschienen in Heft 1/2006, “Astratech”-Magazin

Was bitte ist das für ein Möbel? Heute steht er in jeder zweiten Arztpraxis und sorgt kaum noch für Aufsehen: Der Freischwinger. Für den Betrachter der 20-er Jahre jedoch sah dieser neue Stahlrohrstuhl gewagt, grazil und vor allem wackelig aus. Nur vorsichtig trauten sich Mutige, darauf Platz zu nehmen. Zu dieser Zeit war der Bürger Holzmöbel gewöhnt, die stabil, solide, klotzig und nach traditioneller Handarbeit ausschauten. Denn der optische Eindruck von Stabilität war durch größere Materialvolumen der damaligen Inneneinrichtung geprägt. Stahlrohr, Anfang des Jahrhunderts ein für Möbel ungewöhnliches Material, erlaubte leichtes und minimalistisches Design.

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Atomium: 2.400 Tonnen Glanz

Die trüben Jahre sind vorbei, die üppigen Rundungen glänzen wieder. Männerhände haben sie liebevoll poliert. Größe XXL, 18 Meter im Durchmesser. Die Haut aus Edelstahl spiegelt verführerisch das Sonnenlicht. In den blanken Kugeln konkurriert das Abbild der Brüsseler Innenstadt mit dem Blau des Himmels. Noch vor Monaten hatte das Atomium den Charme einer abgewrackten Kokotte mit trübem Blick und bröckelndem Make up. Jetzt kokettiert die alte Dame wieder um den Spitzenplatz der europäischen Wahrzeichen. Bauarbeiter haben sie zärtlich herausgeputzt, 48 riesige Edelstahlplatten schmücken nun jede der neun Kugeln. Kosten der kosmetischen Operation: 27,5 Millionen Euro - und das, obwohl die Lady schon mehrfach für tot erklärt worden ist.

Text: Cathrin Günzel und Sebastian Späthe, erschienen in Heft 2/2007, “Astratech”-Magazin 

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“Rotte von Dummchen”

Interview mit Designer Luigi Colani zum Wohnen und Leben in der Zukunft
Geführt von Cathrin Günzel & Sebastian Späthe am 29. August und 11. September 2006. In Teilen erschienen 2006 bei FOCUS Online, “impact” - The European IT Executive Magazine von Fujitsu Siemens 02/2006 sowie “blue line” - Das Executive Magazin von HP 3/06.

Herr Colani, wie werden die Häuser der Zukunft aussehen?
Colani:
Sie werden keine Ecken und Kanten mehr haben. Wir werden Nester bauen - Innendesign und Möbeldesign in einem. Die Architektur macht in ihrer Arroganz den großen Fehler, Innenarchitekten als eine mindere Sorte Menschen anzusehen. Eigentlich müsst man die Architekten verdonnern, in der Scheiße zu wohnen, die sie bauen. Das wäre die größte Strafe für einige.

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Die kollektive Intelligenz lebt im “Coffice”

Wie der Digitale Lifestyle in 20 Jahren aussieht? Eine Prognose versucht der Artikel “Vom Office ins Coffice” von Cathrin Günzel und Sebastian Späthe, erschienen im Magazin “blue line” von Hewlett-Packard, Ausgabe 03/2006. Hier die (längere) Originalfassung.

Luigi Colani lümmelt im Wohlfühlsessel seines kantenlosen “Rotorhauses”. Die Design-Legende drückt den Knopf der Zukunft. Wie von Geisterhand verschwindet das Bad und auf der “Drehbühne” taucht an dieser Stelle die Küche auf. Gerade nicht benötigter Raum verschwindet lautlos im Hintergrund. Der zentrale Wohnraum wechselt zwischen Wohnküche, Wohnbad und großzügigem Schlafzimmer. Das 36 Quadratmeter “kleine” Haus erscheint doppelt so groß. Design-Visionär Colani baut am Lebensraum des mobilen vernetzten Menschen. Doch das Arbeitszimmer hat er weggezaubert. “Das Büro braucht man nicht mehr, es wandert in das Notebook. Das habe ich selbst vor 10 Jahren noch vollkommen falsch eingeschätzt und Büromöbel entworfen. Doch das Büro auf dem Schoß ist die Zukunft”, glaubt der 78-Jährige. “Arbeiten werden wir am Notebook im bequemen “Faulenzersessel” und nicht am Schreibtisch im getäfelten Büro.” Der Design-Altmeister weiß, wovon er redet. Sich selbst nennt er “mobiles Arbeitstier”, unterwegs zwischen Europa und Asien. “Dass ich zu Hause und unterwegs mit meinem Notebook arbeiten kann, ist der große Vorteil der Globalisierung. Wenn ich in China bin, mache ich alles mobil.”

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Eroberer im Wohnzimmer

Digital Lifestyle überzeugt nach langem Zaudern nun auch die Europäer. Er verbessert den sozialen Zusammenhalt und verändert Architektur und Design. Artikel von Cathrin Günzel und Sebastian Späthe, erschienen Executive Magazin “impact” von Fujitsu Siemens Computers, 02/2006.

Montagmorgen, 8 Uhr: “Here is CNN”, der Anchorman lächelt vom Zwei-Meter-Plasmafernseher am Fußende des Bettes. Aufgelöst in 50 Millionen Pixel und Dolby 7.1. Aufstehen, Rasieren, Frühstück. Die Bilder der Frühnachrichten folgen in Bad und Küche. Überall Displays, auf die ein Zentralcomputer das Fernsehsignal drahtlos überträgt. Auf dem Weg ins Büro verkündet die Wetterfee die Temperaturtrends des Tages im Handy-Bildschirm, mühelos wandert sie auch auf das Display im Lenkrad, sobald sich die Wagentür öffnet. Sekunden später weicht die Wetterfee der Sekretärin, die per Video-Telefon die Termine des Tages abstimmt. Gleichzeitig werden die Adressdaten für den ersten Außer-Haus-Termin ins Navigationssystem übertragen und mit den Staumeldungen abgeglichen. Eine freundliche Stimme wünscht “Gute Fahrt” und CNN meldet sich zurück - mit den Börsendaten. Das ist das digitale Leben, mit dem IT-Firmen wie Microsoft, Intel und Fujitsu Siemens Wohnungen und Alltag erobern wollen. “2006 wird ein großes Jahr für den Digital Lifestyle”, ist Bill Gates überzeugt. Was bislang Technik-Freaks vorbehalten war “entwickelt sich zum Mainstream”.

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