Die Mäuse der Nobelpreisträger
Sebastian schrieb am Montag, 10. Dezember 2007, 14:05
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Wissenschaftler brauchen Ausdauer, Geduld, ein Hobby und eine verständnisvolle Ehefrau, so Professor Oliver Smithies, einer der drei Preisträger für Medizin 2007. Bei den Vorlesungen im überfüllten Stockholmer Jacob-Berzelius-Hörsaal beamte er Seiten aus seinem handgeschriebenen Laborbuch an die Wand: Feiertage, Samstage und Sonntage, aber auch der eigene Geburtstag waren Tage der Forschung – seit sechs Jahrzehnten. Und oft stand der Eintrag daneben: “Hat nicht funktioniert.”
Wissenschaft kennt keine Pause: Laborbuch Prof. Smithies mit Eintrag vom 1. Januar 1954 (Foto: Sebastian Späthe)
Smithies ist mit 82 der Senior der drei Preisträger für Medizin. Gemeinsam mit dem 70-Jährigen Dr. Mario R. Capecchi und dem 66-jährigen Professor Sir Martin J. Evans erhielt er heute “die Krone der Wissenschaft” vom schwedischen König überreicht. Ihre Erfindung: Die transgene Maus.
In solche Mäuse werden humane Gene eingeschleust, sie können dann menschliche Proteine bilden. Diese Tiermodelle eignen sich hervorragend zur Erforschung von Krankheiten und haben die Medizin revolutioniert. Über Alzheimer, Arthrose oder auch Krebs wüsste man sonst nur einen Bruchteil.
Prof. Evans beim Signieren im Karolinska Institut Stockholm (Foto: Sebastian Späthe)
Der diesjährige Medizin-Nobelpreis ist ein gutes Beispiel für Kooperation in der Wissenschaft. Die Grundlagen legte Evans: Er arbeitete mit embryonalen Stammzellen und hat es geschafft, diese außerhalb des Organismus zu kultivieren. Smithies konnte parallel dazu genetisch veränderte DNA-Sequenzen herstellen. Diese beiden Techniken vereinte Capecchi. Er nutze die nach Smithies Methode hergestellten veränderten DNA-Sequenzen, um diese in kultivierte embryonale Stammzellen einzubringen. Diese Stammzellen wurden wiederum in embryonale Vorstufen von Mäusen eingeschleust. Es wuchsen Tiere mit verändertem Genom heran.
Dr. Capecchi bei seiner Vorlesung im Jacob-Berzelius-Hörsaal (Foto: Sebastian Späthe)
Hunderte Studenten und geladenen Gäste klebten zweieinhalb Stunden an den Lippen der drei Nobelpreisträger. Mit Blick auf die Studenten in den Seitenflügeln hatte Smithies noch einen Rat parat: “Keep good notes.” Gerne würde er ja in ein paar Jahrzehnten die Aufzeichnungen in den studentischen Labtops Seite für Seite nachvollziehen. Mit einem Lächeln zweifelte er daran, dass dies möglich sein wird. Und sicherlich spielte er dabei nicht nur auf sein Alter an.
Prof. Smithies an die Studenten im Hörsaal: “Keep good Notes.” (Foto: Sebastian Späthe)





