Heute schon abgezockt?
Cathrin schrieb am Donnerstag, 29. November 2007, 12:13
Böse Erfahrungen mit Internet-Abzockern sammelt die Verbraucherzentrale Brandenburg in einer Online-Umfrage. Kein Wunder, dass die Verbraucherzentralen sich zurzeit verstärkt um die im Web um ihr Geld Geprellten kümmern: Inzwischen endet die Nutzung vermeintlicher Gratisangebote im Internet immer häufiger mit bösen Überraschungen, wie die Verbraucherzentrale Hessen in einer Pressemitteilung schreibt. Innerhalb von nur sechs Wochen hätten 6.658 Betroffene die Fragen der Verbraucherzentralen beantwortet. Der Häfte von ihnen sei ein Abonnement mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren untergeschoben worden, der Rest sollte einmalig für eine Dienstleistung zahlen. Durchschnittlich seien die ahnungslosen Surfer mit Forderungen von 120 Euro konfrontiert worden - und in jedem vierten Fall erwischte es Jugendliche unter 18 Jahren.
Bei den angebotenen Dienstleistungen habe es sich um die scheinbar kostenlose Online-Ermittlung von Stammbäumen, um Musikdownloads, Routen- oder auch Lebenserwartungsberechnung gehandelt. Häufig werde auch mit SMS-Versand oder Quizspielen gelockt. Die Kosteninformationen seien im Kleingedruckten oder außerhalb des am Bildschirm sichtbaren Bereichs versteckt, so die Verbraucherzentrale - weit unterhalb des Buttons, mit dem sich das Angebot starten ließe.
Immerhin jeder zehnte Befragte habe bezahlt, wenn die Rechnung ins E-Mail-Postfach flatterte. Zahlungsverweigerer n wurde Druck gemacht: 57 Prozent hätten Mahnungen erhalten, in denen mit Klagen gedroht wurde. Bei 31 Prozent seien Inkassobüros, bei nahezu jedem Fünften ein Rechtsanwalt eingeschaltet worden. “Die Zahl der Befragten stellt lediglich die Spitze des Eisbergs dar, denn die Anfragen in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen haben sich seit 2006 verdoppelt”, berichtet Gabriele Beckers von der Verbraucherzentrale.
Der Gesetzgeber müsse handeln, fordern die Verbraucherschützer - die von mehrstelligen Millionenschäden durch Online-Abzockmethoden ausgehen. Beispielsweise müsse eine Kostenpflicht deutlich erkennbar sein, bevor ein Angebot in Anspruch genommen wird. Und online geschlossene Verträge dürfen nur gültig werden, wenn der Kunde sie per Extra-E-Mail bestätige.
Der Flyer “Knete oder Knast” der Verbraucherzentrale Hessen informiert über die üblen Tricks der Abzocker und gibt Tipps zur Gegenwehr.
Im seinem Blog “verbraucherrechtliches” informiert Ronny Jahn über Abzock-Tricks und die Grauzonen im Netz.Das Rechtsblog “Vertretbar Weblawg” hilft bei der Gegenwehr mit dem Textbaustein Abo-Falle & Vertrag mit Minderjährigen.
“Dein Ding” der Verbraucherzentrale Niedersachsen hilft Kindern und Jugendlichen, die in Online-Fallen getappt sind.
Artikel “Bei Klick Abo: Die Tricks der Online-Abzocker” von Cathrin Günzel und Sebastian Späthe, veröffentlicht im Februar 2007.
Einen Katalog von Forderungen gegen die Abzocke im Internet haben die Verbraucherzentralen aufgestellt. Zum Beispiel: “Erleichterte Abschöpfung von Unrechtsgewinnen - das heißt, bereits grob fahrlässiges unlauteres Handeln reicht aus.”
“Die Schreiben solcher ‘Abzock-Firmen’ jagen einem anchmal schon Angst ein” - Antworten aus der Umfrageaktion “Abzocke im Internet” veröffentlicht die Verbraucherzentrale Hessen: “Als Vater einer minderjährigen Tochter bin ich entsetzt, wie schamlos und gerissen Internetbetrüger ihre Fallen aufstellen”, heißt es da unter anderem. Oder: “Mein Kind kann seit einigen Wochen nicht mehr schlafen wegen der Sache.”

