Benzin im Blut
Cathrin schrieb am Montag, 1. Oktober 2007, 13:25
Die ostdeutsche Automobilindustrie mischt im weltweiten Wettbewerb entscheidend mit. Für die Zuliefermesse Z 2008 in Leipzig recherchiere und schrieb Cathrin Günzel die Pressemitteilung zur ostdeutschen Automobilindustrie. Auftraggeber war die Pressestelle der Leipziger Messe.
Ostdeutschland ist einer der modernsten Automobil-Standorte Europas. Rund 12 Milliarden Euro investierte die deutsche Automobilindustrie seit 1990 in der Region (Quelle: Verband der Automobilindustrie VDA, 2006), Weltkonzerne errichteten hochmoderne Produktionsstätten - VW in Mosel/Zwickau, Opel in Eisenach, BMW und Porsche in Leipzig sowie Daimler in Ludwigsfelde. 130.000 Beschäftigte arbeiten bei den 1.200 Hersteller-, Zuliefer- und Ausrüsterfirmen (Otto-Brenner-Stiftung 2007). Und von Stagnation keine Spur: “Der Automobil-Standort Ostdeutschland wächst weiter”, freut sich Dr. Klaus Urbat, Sprecher der ArGeZ Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie, “Neue Modelle wie das BMW 1er Cabrio, das künftig komplett in Leipzig gebaut wird, ziehen auch neue Zulieferunternehmen und -netzwerke an.” Die internationale Zuliefermesse Z bietet der Branche im Verbund mit der Industriefachmesse INTEC vom 26. bis 29. Februar 2008 in Leipzig ein ideales Forum für Geschäfte und Austausch.
Die Automobilindustrie zählt zu den “Top Five” der industriellen Branchen in Ostdeutschland, ihr Umsatz steigerte sich zwischen 1995 und 2006 von vier Milliarden Euro auf 17,1 Milliarden Euro (Scheuplein, Jürgens, Meißner, Hüner: “Im Windschatten beschleunigt: Die Automobilindustrie in Ostdeutschland 1995-2006″, Studie im Auftrag der Otto Brenner Stiftung, 2007). Zu den Hochburgen der deutschen Automobilindustrie gehört neben Zwickau, Leipzig und Chemnitz in Sachsen das thüringische Eisenach, wo schon 1896 die Fahrzeugfabrik Eisenach gegründet wurde.
Motor Sachsen
In Sachsen schlägt das “Herz” der ostdeutschen Automobilindustrie: 56 Prozent der Automobilbetriebe der Region sind hier angesiedelt, 58 Prozent der Beschäftigten und 61 Prozent des Umsatzes der Branche konnte der Freistaat auf sich vereinigen. An zweiter Stelle: Thüringen mit 12,4 Prozent der Unternehmen (Studie der Otto Brenner Stiftung, 2007 - nach IMU-Branchendatenbank).
Gleichzeitig sind die mitteldeutschen Automobilhochburgen Standorte mit langer Tradition: “Sachsen ist neben Baden-Württemberg die Wiege des deutschen Automobilbaus”, erklärt stolz Dr. Claudia Scholta, Projektmanagerin der Verbundinitiative Automobilzulieferer Sachsen (AMZ): 1901 startete Emil Nacke in Coswig bei Dresden den sächsischen Autobau, 1909 gründete der Ingenieur und Branchenpionier August Horch im sächsischen Zwickau die Audi-Werke und schuf eine Weltmarke.
“Die Sachsen haben Benzin im Blut, heißt es seit damals. Immerhin kommt inzwischen jeder zehnte deutsche Personenkraftwagen aus Sachsen”, so Dr. Scholta, “Rund 70.000 Mitarbeiter zählt die sächsische Automobilindustrie, rund 500 Zulieferer sowie 250 Dienstleister und Ausrüster sitzen hier.” Sachsen sei neben Baden-Württemberg das Bundesland mit den meisten OEM-Ansiedlungen (Original Equipment Manufacturer = Automobilhersteller). Von den Ingenieuren bis zu den Ausrüstern sind alle Glieder der Automobil-Wertschöpfungskette vertreten. Weiterer Standortvorteil der neuen Bundesländer: Die im Vergleich zu Westdeutschland niedrigeren Arbeitskosten (VDA, 2006).
Automobile Leidenschaft
“Die Stärke der mitteldeutschen Automobilbranche sind die Menschen oder besser gesagt, deren Leidenschaft, deren exzellente Qualifikation und Tradition sowie die Veränderungsfähigkeit und Anlaufkompetenz für neue Produkte”, konstatiert Dr. Frank Löschmann, Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Sachsen GmbH, “Besonders hervorzuheben ist das große handwerkliche Können und die Motivation, die ihren Ursprung in der langen Tradition haben. Das zeigt die Leidenschaft und Exzellenz im automobilen Handwerk.” Modulstrategie, technisch anspruchsvolle sowie qualitativ hochwertige Fahrzeuge stünden für die Region. Eine weitere Stärke sei die hohe Dichte an Forschungs- und Entwicklungspotenzial. Zum Beispiel befassen sich allein in Sachsen rund 50 Forschungseinrichtungen mit dem Thema Automobil. Die Technische Universität Dresden richtete 1992 als erste deutsche Hochschule eine Professur für Kfz-Elektronik ein (”Born in Saxony”, Wirtschaftsförderung Sachsen).
Mitteldeutschland sei ein guter Standort für Autobauer, glaubt Löschmann: “Inzwischen sind neben Volkswagen noch andere OEMs in Mitteldeutschland ansässig. Die Synergien, die sich daraus ergeben, machen den Standort für die Automobilindustrie der Zukunft noch interessanter.” Künftig werde eine engere Vernetzung stattfinden, so Löschmann: “Lieferanten, Dienstleister und vor allem die Unternehmen und Institutionen der Forschung und Entwicklung werden von den Vorteilen der Vernetzung und Orientierung durch die OEMs profitieren.” Gerade die vielen kleinen Unternehmen profitieren von Vernetzung, Clusterbildung und gemeinsamer Produktentwicklung. “Kompetenzbündelung und breites Angebots-Spektrum inklusive Entwicklungsleistung werden für die Lieferanten von Morgen von eminenter Bedeutung sein”, glaubt Löschmann. Auch in Zeiten der Globalisierung seien lokale Kompetenzen die Basis. Gerade bei Innovationsthemen ermöglichten sie Zusammenarbeit - “nicht nur wegen der örtlichen Nähe, sondern auch durch gleiche Sprache, gleiches Verständnis und oft auch persönliche Beziehungen.”
Der Markt ist die Welt
Die Automobilindustrie ist die exportstärkste Branche in den neuen Bundesländern (VDA, 2006). In Sachsen zum Beispiel verzeichnet dieser Wirtschaftszweig eine Exportquote von rund einem Drittel (AMZ). Die Exportquote der ostdeutschen Automobilindustrie insgesamt stieg von 15 Prozent 1999 auf 45 Prozent 2005. Den größten Teil trugen die Kraftwagen- und Motorenhersteller bei: Ihr Anteil beim Auslandsumsatz betrug 70 Prozent (Studie der Otto Brenner Stiftung, 2007). “Im Zuge der internationalen Arbeitsteilung und Globalisierung werden sich in Deutschland mittelfristig verstärkt Know-how orientierte Arbeitsplätze in der Wirtschaft halten können”, prognostiziert Dr. Frank Löschmann, Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Sachsen GmbH. “Die Zuliefermesse Z ist im Verbund mit der INTEC ein wichtiges internationales Schaufenster der Kompetenzen Mitteldeutschlands”, sagt Löschmann, “Sie ist das Medium, das uns die Türen zur Welt öffnet und internationale Partner und Interessenten in die Region lockt.”
Bei den Automobil-Herstellern in Ostdeutschland rollten 2006 vom Band:
VW Sachsen GmbH, Zwickau-Mosel:
230.000 Einheiten
Opel Eisenach GmbH:
142.000 Einheiten
BMW AG - Werk Leipzig:
120.000 Einheiten
Porsche Leipzig GmbH:
35.000 Einheiten
Mercedes-Benz Werk Ludwigsfelde (Daimler AG, zuvor DaimlerChrysler Ludwigsfelde GmbH):
32.700 Einheiten
Quelle:
Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD), Vortrag Stefan Martin, BMW Group

