Bildungshochburg Ostdeutschland: Bestes Bildungssystem in Sachsen
Cathrin schrieb am Dienstag, 21. August 2007, 13:25
Sachsen und Thüringen geben im Verbund mit Baden-Württemberg und Bayern in der deutschen Bildungslandschaft den Takt vor.
Beitrag von Cathrin Günzel, veröffentlicht am 20. August 2007 in FOCUS Online und einer der meistgelesenen und -bewerteten Beiträge des Tages.
Glückliche Schüler in Sachsen, abgehängtes Bildungsentwicklungsland Mecklenburg-Vorpommern: Die Ostdeutschen stellen sowohl Gewinner als auch Verlierer des Bildungsmonitors 2007, den das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln am Dienstag vorstellen wird. Die Sachsen bilden gemeinsam mit Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern das Erfolgsquartett des deutschen Bildungswesens. Mit 68,9 Punkten hat der ostdeutsche Freistaat das beste Bildungssystem aller Bundesländer - gefolgt von Baden-Württemberg (66,1 Punkte), Thüringen (65,1 Punkte) und Bayern (64,8 Punkte). Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern mit 48,5 Punkten.
Blühende Bildungslandschaften
Kluge Köpfe kommen in den nächsten Jahren vor allem aus Sachsen und Thüringen: Die Schulqualität der beiden ostdeutschen Bundesländer liegt weit über dem Durchschnitt - und damit die Kompetenzen ihrer Schüler in Mathematik, Naturwissenschaften und Textverständnis. Beide Freistaaten sind traditionelle Hightech-Standorte und ihre Hochschulen haben sich zu Deutschlands führenden Kaderschmieden für Ingenieure und Nachwuchsforscher entwickelt: Im Vergleich zum Bedarf ihrer heimischen Wirtschaft bilden sie überdurchschnittlich viele Akademiker in mathematisch/naturwissenschaftlichen und technischen Fachbereichen aus.
Der Run auf die Spitze beginnt schon bei den Kleinsten: Mit der am besten ausgebauten Förderinfrastruktur unterstützen Sachsen und Thüringen berufstätige Eltern vorbildlich mit Kindergartenplätzen und ganztägiger Kinderbetreuung im Vorschul- und Schulbereich. Dieses engmaschige Angebot hilft, Lernschwächen frühzeitig auszugleichen. In beiden Bundesländern findet der Nachwuchs über alle Bildungsstufen hinweg deutschlandweit die besten Betreuungsbedingungen vor, dabei profitiert das ostdeutsche Spitzenduo von zurückgehenden Schülerzahlen.
Starker Süden
Höchste Priorität genießen Bildungsausgaben im öffentlichen Budget der westdeutschen Spitzenreiter Baden-Württemberg und Bayern. Die überdurchschnittlich hohe Schulqualität in den beiden süddeutschen Bundesländern garantiert, dass die meisten Absolventen allgemeinbildender Schulen auch die von den Unternehmen benötigte Ausbildungsreife besitzen. Bayern ist zudem Vorreiter in Sachen Integration: Der Freistaat bietet ausländischen Jugendlichen oder solchen mit einem bildungsfernen Familienhintergrund mit die besten Bildungschancen in Deutschland.
Überwiegend Durchschnitt
Abgeschlagen hinter den Top-4 liegen alle anderen Bundesländer: Zwischen 53,6 und 57,2 bewegen sich ermittelten Punktwerte - Mecklenburg-Vorpommern fällt als einziges Land unter die 50-er Marke. Einige Bundesländer weichen in einzelnen Bereichen besonders vom Durchschnitt ab. So rutscht Hamburg beispielsweise auch durch seine hohe Schulabbrecherquote nach unten: Sie ist in der Hansestadt am zweithöchsten und wird nur von Sachsen-Anhalt übertroffen. Das ostdeutsche Brandenburg dagegen glänzt mit dem besten Wert für Internationalisierung in ganz Deutschland für seinen Fremdsprachenunterricht an Grund- und Berufsschulen, auch der Anteil der Sitzenbleiber ist vergleichsweise niedrig.
Berlin und Bremen: Ausbildungsabbrecher und internationale Hochschulen
Berlin und Bremen sind Bildungsplätze der Extreme. Beide Stadtstaaten sind attraktive Hochschulstandorte und deshalb deutlich internationaler und akademischer ausgerichtet als der Bundesdurchschnitt. Andererseits sieht die Studie in beiden Städten ein erhöhtes Risiko für Bildungsarmut.
Während Bremen mit einer überalterten Lehrerschaft ins Hintertreffen gerät, kann es zumindest mit seinem Status als regionales Wirtschaftszentrum und seiner beruflichen Ausbildung punkten. Schüler der Hansestadt vergeuden zudem wenig Zeit durch verspätete Einschulung, Wiederholungen oder Ausbildungsabbrüche: Beim Umgang mit Ausbildungszeit zählt Bremen zu den fortgeschrittensten Bundesländern. Das berufliche Bildungssystem der Hauptstadt dagegen lässt zu wünschen übrig. Berliner Jugendliche verlieren Zeit auf dem Karriereweg, denn Berlin verzeichnet den höchsten Anteil vorzeitig abgebrochener Ausbildungen.
Abgehängt: Mecklenburg-Vorpommern
An letzter Stelle liegt Mecklenburg-Vorpommern. Hier hat die sozioökonomische Herkunft einen besonders starken Einfluss auf den Bildungserfolg. Es schneidet im Bereich berufliche Bildung unterdurchschnittlich ab - und liegt im Hinblick auf ungünstige berufliche Perspektiven in einer Gruppe mit Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Auch die Quote der Hochschulabsolventen ist gering. Zu viele Studenten wandern ab und nur wenige von außerhalb beginnen ein Studium. Ebenso wie in Sachsen-Anhalt haben ausländische Jugendliche verhältnismäßig geringe Chancen, die Studienberechtigung zu erwerben.
Ausgangsbedingungen seit 2004 verbessert
Im Vergleich zum ersten Bildungsmonitor 2004 haben sich die Voraussetzungen in allen Bundesländern verbessert. Finanzmittel und Personalausstattung im deutschen Bildungswesen reichen aus - müssen aber effizienter und konsequenter eingesetzt werden, so ein Fazit der Studienautoren. Seit 2004 vergleicht der Bildungsmonitor im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, wie die Bildungssysteme der 16 Bundesländer Wirtschaftswachstum fördern. Zu den 104 bewerteten Einzelmerkmalen gehören Bildungsausgaben, Klassengröße, internationale Ausrichtung und Zeiteffizienz der Ausbildung. Die Auswahl der Bewertungskriterien ist allerdings nicht unumstritten: Schon bei vergangenen Ausgaben des Bildungsmonitors wurde die Auswahl der Indikatoren kritisiert, unter anderem die Bewertung der Betreuungsbedingungen - das “Schüler-Lehrer-Verhältnis”.
Siehe dazu auch: “Vererbtes Unwissen“, Artikel von Cathrin Günzel zum Thema Bildungsarmut


Hier finden Sie weitere Kommentare der Kultusministerien und Pressresonanzen auf den INSM-Bildungsmonitor.
Grüße INSM - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft