Studenten ins Ausland
Cathrin schrieb am Freitag, 3. November 2006, 11:57
Die Studenten der Universität Bremen sollen internationale Luft schnuppern und die Märkte von Morgen in Asien erobern. Beitrag von Cathrin Günzel
“Zurzeit sind deutsche Studenten mit Auslandssemestern noch Einzelfälle, vor allem in exotischen Ländern. Und auch die Quote ausländischer Studenten ist noch zu gering”, kritisiert Gerold Wefer, Direktor des DFG-Forschungszentrums Ozeanränder (MARUM) der Universität Bremen. “Deshalb unterstützen wir jeden Studenten, der internationale Luft schnuppern und sich in fremden Kulturen umschauen will”, betont der Professor. Von den vier geowissenschaftlichen Studiengängen des Fachbereichs Geowissenschaften wurde deshalb einer komplett auf die Unterrichtssprache Englisch umgestellt. Eine gemeinsam mit Hochschulen aus China, Japan, Südkorea und Frankreich gegründete “Internationale Vereinigung für Meeresforschung” hat jetzt ihre Arbeit aufgenommen und soll den Austausch von Studenten und Wissenschaftlernachwuchs zwischen den beteiligten Instituten fördern.
Aufstrebende Unis wollen in die Spitzengruppe
“Es handelt sich bei allen beteiligten Hochschulen um aufstrebende Universitäten in Tokio, Ching Dao, Seoul oder der Bretagne, die den Ehrgeiz haben, an die Spitze zu gelangen”, erläutert Gerold Wefer, “Die Internationale Vereinigung für Meeresforschung soll Brücken bauen in die aufstrebenden Staaten und steht weiteren Partnern offen. Zum Beispiel möchten wir auch indische und russische Partner gewinnen. Wir wollen die ganze Welt einbeziehen.”
Immerhin gehört Wefers DFG-Forschungszentrum Ozeanränder der Universität Bremen schon zu den Flaggschiffen der Ozeanforschung und den Spitzeninstituten Deutschlands, seit 2001 mit fünf Millionen Euro pro Jahr von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Meeresforscher entschlüsseln dort die Klima- und Umweltgeschichte der Erde, untersuchen den globalen Wetterwandel und wie Geo- und Biosphäre sich gegenseitig beeinflussen. Dabei konzentrieren sich die Forscher auf die Ozeanränder, die Nahtstellen zwischen Ozeanen und Kontinenten. Denn in diesen küstennahen Bereichen wird Erdöl und Erdgas gefördert. Doch sie erkunden auch die Tiefen der Ozeane.
Um die Schlagkraft seiner Wissenschaftler zu erhöhen, möchte Gernot Wefer verstärkt Allianzen mit ausländischen Instituten schmieden. “Gemeinsam mit Universitäten in China, Japan oder Südkorea möchten wir ausloten, wo sich Zusammenarbeit bei Forschungsprojekten lohnt oder wir unsere Einrichtungen gemeinsam gewinnbringend nutzen können.”
Internationaler Austausch der Studenten
“Während viele Hochschulen vor allem wissenschaftliche Programme planen, geht es uns auch um den Studentenaustausch. Denn dafür gibt es noch viel zu wenig Möglichkeiten”, so Wefer. Die Voraussetzungen seien mit Einführung der internationalen Studienabschlüsse Bachelor und Master gegeben: “Schon jetzt gibt es Erfahrungen mit dem Studentenaustausch in Neuseeland und noch im Wintersemester startet ein Austauschprogramm mit dem ersten ozeanografischen Institut Chinas, der in einen gemeinsamen meereswissenschaftlichen Studiengang münden soll”, berichtet der Institutschef, “Die Bremer Studenten haben großes Interesse, in exotischere Länder zu gehen wie Indien oder Südkorea, wo die Märkte von Morgen zu finden sind.”
Die in Bremen ausgebildeten Geowissenschaftler sollen zu den international gefragten Experten gehören, die sich in Zukunft um die Rohstoffreserven der Welt, aber auch um Energiegewinnung, Wasserversorgung und -wiederaufbereitung, Umweltschutz und Rekultivierung kümmern. Gerade in den asiatischen Staaten schlummert großes Potenzial im Umweltschutz. So will zum Beispiel China im aktuellen Fünfjahresplan etwa 166 Milliarden US- Dollar in den Umweltschutz investieren und bis 2010 rund 30,1 Milliarden US-Dollar für die Behandlung von Abwassern ausgeben. Auch die Olympischen Sommerspiele in zwei Jahren sollen zu einer “grünen” Olympiade werden.
Doch die Nordlichter möchten ihren Wissenschaftlernachwuchs nicht nur “exportieren”, sondern auch attraktiv für internationale Studierende und Forscher sein. Der Anteil ausländischer Masterstudenten am Bremer Forschungszentrum Ozeanränder beträgt zurzeit 20 Prozent, Wefer würde ihn gern auf 50 Prozent erhöht sehen. Hilfreich dafür wäre eine Veränderung der Lehrzeiten, denn ausländische Universitäten unterrichten in Frühlings- und Herbstsemestern und nicht in Sommer- und Wintersemestern wie in Deutschland. “Die Universität Mannheim zum Beispiel will schon auf andere Unterrichtszeiten umsteigen. Eine Angleichung macht den Studentenaustausch einfacher”, erklärt Professor Wefer. “Und wir wollen Studenten von allen Kontinenten nach Bremen holen. Kooperationen und gemeinsamen Studiengängen mit internationalen Hochschulen gehört die Zukunft, damit öffnen sich die deutschen Universitäten der Welt.”

