Interview mit Professor Karlheinz Brandenburg (53), Erfinder von MP3 und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologien. Als “Vordenker aller Zeiten” wurde er in die “Hall of Fame” der International Electrotechnical Commission aufgenommen, ebenso wie Demokrit, Röntgen und Einstein. Das Gespräch wurde im Sommer 2006 geführt von Cathrin Günzel und Sebastian Späthe.
Hat MP3 schon einen Nachfolger?
MP3 lebt und ist noch lange nicht ausgereizt. Es ist der kleinste gemeinsame Nenner, den alle Geräte und Programme verstehen. Neue Audio-Formate wie AAC (Advanced Audio Coding) und HE-AAC (High Efficiency AAC) an denen unsere Erlanger Kollegen vom Fraunhofer IIS arbeiten, bauen auf denselben technologischen Grundlagen wie MP3 auf. AAC bietet bessere Tonqualität bei höherer Kompression und ist beim japanischen Digitalfernsehen im Einsatz.
HE-AAC verdichtet die Daten noch stärker - unter anderem für den Musikdownload via UMTS.
MP3 war ein großer Wurf. Woran forschen Sie jetzt?
Ich suche mit meinen Ilmenauer Forscherkollegen die Nadel im Heuhaufen. Wenn die Datenberge wachsen, wächst auch das Problem, genau die eine Datei mit dem gewünschten Song, Bild oder Film zu finden. Wir forschen an neuen Programmen, die mir die Suche abnehmen. Schon heute summe ich dem Computer oder Handy eine Melodie vor und erhalte Liedtitel und ein Downloadangebot. Intelligente Systeme lernen meinen Musikgeschmack und schlagen neue Titel vor.
Wann kommt die nächste technische Revolution?
Wir sind doch mittendrin. So ist das bei uns am Fraunhofer IDMT entwickelte revolutionäre IOSONO Soundsystem vergleichbar mit dem damaligen Qualitätssprung von Mono zu Stereo. IOSONO ermöglicht eine extrem realistische, räumliche Audiowiedergabe in beliebigen Räumen.
Begleitet uns der Raumklang auch unterwegs beim Joggen oder in der U-Bahn?
Am Erlanger Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS arbeiten die Audiocodierspezialisten an einer Technologie mit dem Namen Ensonido mit der Surround-Sound über Kopfhörer erlebt werden kann. Mittels Head Tracking wird jede Kopfbewegung registriert und der Sound neu berechnet. Ergebnis: Selbst bei einer 180-Grad-Drehung bleibt jedes Instrument an seinem virtuellen Platz. Als würde ich mich in einem realen Konzertsaal bewegen.
Surround-Sound bringt uns in die “Dritte Dimension”. Wann kommt das “Holodeck” à la Raumschiff Enterprise?
Vielleicht in 50 Jahren. Für eine solche Simulation müssten die Daten wohl direkt ins menschliche Hirn eingespielt werden. Aber auch daran wird schon gearbeitet.
Siehe auch: Artikel “Mobilmachung der Unterhaltung”

