Der “Wow”-Effekt: Fünf Mal mehr sehen
Cathrin schrieb am Mittwoch, 1. März 2006, 20:10
Mit der neuen Generation hochauflösender Fernseher wollen Heimelektronik- und PC-Hersteller die Lust am digitalen Zuhause entfachen. Eine leicht veränderte Fassung des Artikels von Cathrin Günzel und Sebastian Späthe erschien im Februar 2006 im CeBit-Magazin.
Jubel in Berlin. Es ist Sonntag, der 9. Juli 2006. Die neue Weltmeister-Elf steigt aufs Siegerpodest. Freudetränen rollen, von denen die 74.000 Besucher im Olympiastadion nur eine Ahnung haben. Dichter dran an den Emotionen sind Millionen Fußballfans in ihren Wohnzimmern. Jede Träne, die den Champions über die Bartstoppeln fließt, alle Anspannung, die aus ihren Gesichtern weicht, erleben die Fernsehzuschauer hautnah - ebenso wie die enttäuschten Blicke der Verlierer. In 16:9, mit 50 Millionen Pixeln je Sekunde und eingefangen von 20 Fernsehkameras.
Vom “sinnlichen” WM-Erlebnis auf riesigen Plasma- oder LCD-Bildschirmen versprechen sich Unterhaltungsindustrie und Gerätehersteller den weltweiten Siegeszug des hochauflösenden Fernsehens HDTV. Mit fünf Mal mehr Bildpunkten ist es deutlich schärfer und detailreicher als der europäische TV-Standard PAL. Die plastischen HDTV-Bilder können weltweit bereits rund 15,5 Millionen Haushalte empfangen, wie das Marktforschungsinstitut In-Stat schätzt. Zu den Boom-Ländern gehören Japan, Australien, Kanada, Südkorea und allen voran die USA. “Dort ist der Zug HDTV schon lange auf dem richtigen Gleis. Seit einigen Jahren dürfen Hersteller zum Beispiel in den USA nur noch Geräte mit HDTV-Receiver verkaufen”, sagt Klaus Goldhammer, Geschäftsführer der Berliner Beratungsfirma Goldmedia.
Der Umsatz mit hochauflösenden Fernsehern liegt in den USA bei knapp 17 Milliarden Euro. Aktuell verfolgen dort Fernsehzuschauer in 5,5 Millionen Haushalten HDTV-Sendungen. Bis 2009 soll deren Zahl auf 48,7 Millionen, prophezeien die Analysten von eMarketer im Report “US Digital TV”. Bis dahin werden 90 Prozent der Haushalte vom analogen auf digitalen Empfang umgestiegen sein. Zu diesem Zeitpunkt sollen auch die analogen TV-Signale sollen abgeschaltet werden. Das beschert dem US-Markt für HDTV-Geräte laut Parks Associates ein Umsatzvolumen von 55 Milliarden Euro bis zum Jahr 2009. “Die Verbraucher erkennen nun die Vorzüge von HDTV”, sagt Analystin Deepa Iyer. Dies werde eine Kettenreaktion für andere High-Definition-Services wie Video on Demand auslösen.
Die Europäer sind bislang HDTV-Spätzünder, doch auch hier gerät der Markt in Bewegung. Das zeigen die steigenden Verkäufe für Plasma- und LCD-Bildschirme: Zehn Millionen Flachdisplays gingen 2005 in Westeuropa über die Ladentische, ermittelte das European Information Technology Observatory (EITO). Gemeinsam mit Projektionsgeräten erreichten Plasma und LCD einen Umsatz von knapp 12,8 Milliarden Euro. Besonders beliebt sind die “Flachen” bei den Schweizern, der bedeutendste europäische Markt ist jedoch Großbritannien.
In Deutschland werden in diesem Jahr Plasma- und LCD-Fernseher erstmals mit den klassischen Röhren gleichziehen. Doch bereits 2005 lag ihr Wertanteil am Gesamtmarkt bei 60 Prozent - doppelt so hoch wie im Vorjahr. “Auch wenn speziell die Deutschen Innovationen skeptischer gegenüber stehen, sind sie doch diejenigen, die sie erheblich intensiver nutzen und auch nicht mehr darauf verzichten wollen”, beobachtet Mark Brailey, Director Marketing Europe, Middle East and Africa bei dem Chiphersteller Intel.
“Geräte ohne HDTV-Unterstützung lassen sich nicht mehr verkaufen. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren verstärken und auch für PC-Plattformen gelten”, prophezeit sogar Manfred Gerdes, Geschäftsführer von Sony Deutschland. Noch würden die neuen Technologien zwar den Fernsehsendern unzureichend genutzt. Deshalb forder Gerdes: “Jetzt müssen mehr HDTV-Inhalte kommen, damit die Zuschauer die Bildqualität der neuen Geräte auch sehen.” Content sei die treibende Kraft. “Die Fußball-WM gibt HDTV in Europa neuen Schub, reicht aber allein nicht aus.”
Gerade in Deutschland haben fast alle Fernsehsender sehr lange gezögert, ihren Zuschauern HDTV-Kanäle anzubieten: Sie scheuen den Umbau der Studios und die um ein Fünftel höheren Produktionskosten für Filme, deren Übertragung und Speicherung. Als die deutschen Sender Pro Sieben und Sat.1 schließlich im Oktober des vergangenen Jahres den ersten Schritt wagten, sendeten sie ihre HDTV-Bilder über Wochen hinweg ins Nichts. Grund: Die Markteinführung der technisch anspruchsvollen Receiver verzögerte sich. Der Pay-TV-Sender Premiere stufte wenig später seinen lange angekündigten Einstieg ins neue TV-Zeitalter deshalb gleich zum Feldtest ab.
Doch die Unterhaltungselektronik-Anbieter, Internet-Provider und IT-Hersteller wie Microsoft und Intel drücken aufs Tempo. Die neuen Fernseher spielen in ihren Szenarien vom digitalen Heim eine zentrale Rolle. Die Bildschirme nehmen über ein Heimnetzwerk aus verschiedenen Zimmern Kontakt mit dem PC oder dem Festplatten-Rekorder auf. Sie zeigen dort gespeicherte Familienfotos ebenso wie Spielfilme oder eigene Videos - gleichgültig ob beim Kochen, Bügeln oder Schlafen gehen. Manche der flachen Riesen starten sogar ins Internet, rufen Webseiten und E-Mails ab. Auch die Musikanlage ist mit Fernseher, PC und Internet verbunden, lädt Musikdateien und schickt Internetradio ins Schlafzimmer. Mit Wireless LAN ist Kabelsalat in der vernetzten Wohnung Geschichte. Die drahtlosen Verbindungen schaffen bis zu 54 Megabit pro Sekunde und übertragen auch hochaufgelöste Filme. Das Tor zur Medienwelt öffnen Satellit, Kabel oder terrestrischer Empfang.
Große Wachstumschancen als Inhalteanbieter rechnen sich auch Telekommunikationsunternehmen und Internet-Provider aus. Sie bringen sich als Torwächter zum digitalen Heim in Stellung. Die Fernsehübertragung via Internet - IPTV - wird zur echten Konkurrenz für Satellit und Kabel, Komprimierung und große Bandbreiten erlauben auch HDTV. Ende 2009 werden in Europa 8,7 Millionen Abonnenten Fernsehen per Internet-Protokoll empfangen. Gegenwärtig sind es nur rund 660.000, schreiben die Londoner Analysten von Screen Digest und ihre Berliner Kollegen von Goldmedia in der Studie “European IPTV”. Frankreich ist mit 281.000 Nutzern zurzeit europäischer Spitzenreiter. Doch bis Ende 2009 rücken die Italiener auf Platz Eins: Fernsehen via Internet erreicht dort bei Pay-TV Haushalten einen Marktanteil von 20 Prozent.
Spannend ist vor allem die Preisschlacht: “Für 29,99 Euro verkauft der französische Anbieter Free Telecom seinen 130.000 Abonnenten ein 20-Megabit-Komplettpaket aus Telefonie, Internet und hundert Fernsehkanälen”, sagt Goldmedia-Chef Klaus Goldhammer. Bis Ende 2009 rechnet er mit enormen Wachstumsraten. Dann wird IPTV bereits 9,4 Prozent des Europäischen Pay-TV-Marktes besetzen. Goldgräberstimmung also bei den Telekommunikations-Unternehmen. Mit Triple-Play-Bundles aus Internet, Telefon und Fernsehen plus Video-on-Demand wollen sie ihre Verluste aus dem klassischen Telefongeschäft kompensieren.
Auch für Deutschland erwartet Klaus Goldhammer eine Reihe von IPTV-Angeboten: “Der notwendige Infrastrukturaufbau wird massiv vorangetrieben. Während vielerorts schon ADSL2+ - Anschlüsse mit Bandbreiten von bis zu 20 Mbit/s erhältlich sind, hat die Deutsche Telekom angekündigt, bis 2007 die 50 größten Städte in Deutschland mit den noch wesentlich schnelleren VDSL-Anschlüssen zu versorgen.” Dafür investiert der Konzern insgesamt drei Milliarden Euro. Bereits bis Mitte des Jahres schließt er die ersten zehn Großstädte an sein 50 Mbit schnelles Glasfasernetz an.
Die Fußball-WM wird nicht nur Zuschauer an den Riesenbildschirm fesseln. Spannende Torszenen und Siegerjubel erreichen den Fan auch auf dem Weg zur Arbeit oder bei der Gartenparty. Geht es nach den Wünschen der Hersteller, bringt die WM den Durchbruch für Fernsehen auf den Zwergen-Displays der Mobiltelefone (siehe Beitrag auf Seite 26/27). Von 71 Millionen weltweit verkauften digitalen Fernsehgeräten waren 2005 bereits 1,9 Millionen Fernseh-Handys, sagt David Mercer, Vice President des Marktforschers Strategy Analytics. Im Jahr 2010 steige die Zahl der fernsehtauglichen Mobilgeräte auf 73,5 Millionen.
Die Mobilzwerge lösen zwar keine Fernsehrevolution aus, der Übergang zum Fernsehen mit DVB-H ist schleichend. “Diese Technik wird einfach Teil des Endgerätes sein. Sie wird im Zuge des natürlichen Apparatewechsels in die Mobilgeräte wandern. Alle Hersteller werden solche Handys anbieten”, glaubt der “Vater des digitalen Fernsehens” und DVB-H-Erfinder Ulrich Reimers, Leiter des Instituts für Nachrichtentechnik der Technischen Universität Braunschweig.
Kopierschutz, Vernetzung, DVD-Nachfolge … Die Fragen der Zukunft:
Jeder spricht mit jedem
Das Handy spricht zum Server: “Bitte Madonna und Robbie Williams überspielen!” Der Computer startet ins Internet, nimmt Kontakt mit dem Musikprovider auf. Sekunden später ist der Speicher des Mobiltelefons mit neuer Musik gefüllt. Vor einigen Jahren führten solche Visionen vom vernetzten digitalen Leben noch zu einem müden Lächeln. Beim Verbraucher kamen sie einfach nicht an. Die Technik war zu kompliziert, die Übertragungsrate zu spärlich. Inzwischen, so glaubt eine Phalanx von Intel bis Fujitsu Siemens, sei der Konsument reif. Unklar ist nur, was er genau will.
Zentral oder verteilt?
Zwei Konzepte stehen sich gegenüber: Gleichberechtigte, “intelligente” Geräte, die ihre Multimedia-Daten in eigenen Speichern selbst verwalten und bei Bedarf miteinander tauschen. Oder ein zentraler Server im Edel-Design, auf dessen Festplatte Musik, Fotos oder Filme lagern. Er beliefert Fernseher oder Stereoanlagen. Software-Hersteller Microsoft sieht Computer mit Windows-Programmen auf der Festplatte im Mittelpunkt der Heimvernetzung. Immerhin haben weltweit mehr als 130 PC-Hersteller über vier Millionen “Windows XP Media Center”-Rechner verkauft. Chiphersteller Intel schafft mit der “Viiv”-Technologie eine Plattform, die sich optimal an die neuen Bedürfnisse im vernetzten Heim anpasst. Aber etliche Analysten und Industrievertreter sehen auch die Spielkonsolen wie Sonys PlayStation 3 als künftigen Mittelpunkt des digitalen Wohnzimmers.
“Der Vorteil der zentralen Server ist gleichzeitig ihr Nachteil. Alle Mediendateien sind auf einer Festplatte versammelt und einfacher zu verwalten. Doch fällt der Server aus, geht gar nichts mehr”, sagt Thomas Luckenbach vom Competence Centre Smart Environments des Fraunhofer-Instituts. Der Wissenschaftler entwickelt dezentrale Konzepte für Heimnetzwerke. “Darin kann jedes Gerät die anderen Apparate steuern, der Fernseher den DVD-Rekorder genauso wie das Notebook.” Vorteil: Das Heimnetz lässt sich leichter ausbauen und ist billiger. “Die Hardware für die nötige Schnittstelle kostet etwa fünf Euro pro Gerät. Ein zentraler Server für 500 bis 1.000 Euro ist überflüssig”, rechnet Luckenbach vor.
Vertrauen wächst
Was hinter den schicken Fassaden der Hitech-Geräte vor sich geht, was Kürzel wie DRM, AAC und WM9, MPEG-4, H.264, 1080i oder p bedeuten, begreifen nur noch Spezialisten. Und den meisten Verbrauchern ist das auch herzlich egal. Hauptsache, es funktioniert. Dafür steht der Zungenbrecher UPnP. Nach Willen der Digital Living Network Alliance sorgt er für spielend leichtes Vernetzen der Geräte. Die Verbraucher freuen sich und honorieren das, so der “Intel Digital Lifestyle Report 2005″. Drei Viertel der Europäer fühlen sich mittlerweile mit neuen Consumer-Technologien wohl und in den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der Skeptiker halbiert.
Digital Living Network Alliance: Esperanto für das vernetzte Heim
Auspacken, Anstöpseln, Loslegen. In Zukunft sprechen alle elektronischen Heimgeräte miteinander und in einer Sprache - ob Settopbox, Fernseher, Spielkonsole oder auch PC und mobile Geräte. Das ist die Vision der Digital Living Network Alliance (DLNA). Sie vereinigt weltweit über 250 der wichtigsten Produzenten von Heimelektronik, Hard- und Software sowie Filmstudios.
Die DLNA hat in einer Guideline Standards festgelegt. An diese müssen sich alle Hersteller halten, wenn ihre Geräte das DLNA-Zertifikat tragen sollen. Die Alliance greift dabei auf bereits vorhandene Standards zurück. Für Ethernet und WLAN gelten die Normen 802.3 und 802.11. Kommunizieren die vernetzten Geräte miteinander, sorgt Universal Plug’n'Play (UPnP) für ein einheitliches Transportprotokoll. Für die Medienformate sind MPEG2, LPCM und JPEG zwingend erforderlich. Bereits in diesem Jahr sollen die meisten neuen Geräte das Siegel der DLNA tragen. Die Organisation wird ihre Vernetzungs-Richtlinien auch in Zukunft weiterentwickeln.
Plasma oder LCD?
Wem gehört die Zukunft - Plasma oder LCD? Viele Unterschiede werden den Matadoren unter den großen Displays angedichtet. Doch die meisten sind durch neue Technik überholt. Allgemein gilt jedoch: Auf die volle HDTV-Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten verzichten viele Hersteller noch aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Sichtbar ist das jedoch kaum. Auch galt bisher: PAL-Bilder schauen auf einem HDTV-Fernseher schlechter aus als auf der klassischen Röhre. Der Grund: Die geringere Datenmenge von PAL wird auf das HDTV-Format hochgerechnet (interpoliert). Auch dieser Unterschied ist inzwischen kaum noch sichtbar. Aber Plasma zeigt beim PAL-Signal und Bildschirmgrößen über 40 Zoll ein besseres Bild.
Der größte Vorteil der Plasma-Displays sind ihre wesentlich geringeren Produktionskosten. Fabriken für den direkten Wettbewerber LCD sind fünf- bis sechsmal teurer. Weitere Vorteile der Plasma-Giganten sind die großen Bildschirmdiagonalen mit gutem Blickwinkel. Bessere Kontraste, größere Helligkeit und gute Schwarzwerte mit ausgewogener Grauskalierung sorgen für ein bestechendes Bild. Die komplette HDTV-Auflösung ist allerdings erst auf Diagonalen von etwa 50 Zoll voll sichtbar. Der Grund: Die Pixel sind zu groß. Die Nachteile der Riesen: Sie sind Stromfresser, verbrauchen vor allem bei hellen Bildern bis zu 800 Watt. In drei bis vier Stunden täglichem Fernsehen braucht ein Plasma-TV so viel Strom wie ein Singlehaushalt und heizt dazu kräftig ein. In hellen Räumen spiegelt sich die Umgebung in der Frontscheibe. Statische Bilder brennen sich dauerhaft ein, bei dunklen Bildern droht Pixelrauschen. Gegen die Plasmas spricht außerdem ihr hohes Gewicht und die geringere Lebensdauer.
LCDs sind die leichtesten und genügsamsten unter den großen Flachbildschirmen, sie geben wenig Wärme ab. Im Gegensatz zum Plasma bilden LCDs schon bei Diagonalen ab 20 Zoll das volle HDTV-Bild ab. Grund: Die Pixel sind kleiner. Die Fernseher erzeugen weniger elektromagnetische Felder in der Umgebung. Auch statische Bilder brennen sich nicht ein. Allerdings wirken schwarze Bildanteile in dunklen Räumen zu hell und die Graustufen verlaufen zu hart. Einzelne Pixel können durchbrennen und stören als schwarze Punkte das Bild. Zudem ist der Blickwinkel geringer, seitlich sitzende Zuschauer sehen deutlich weniger. Bei Markengeräten der neusten Generation ist dieses Problem allerdings behoben. Momentan sind LCD-Fernseher wesentlich teurer und meist nur in Größen zwischen 37 und 42 Zoll zu haben. Aber: Die kleinen Riesen wachsen. In Asien entstehen neue Fabriken für LCD-Panels mit 42 bis 47 Zoll der Unternehmen LG.Philips, Samsung und Sharp.
Konkurrenz bekommen die gängigen Flachbildschirme von organischen Leuchtdioden (OLED) und den vor allem in den USA verkauften Rückprojektionsgeräten. Den flexiblen, transparenten und stromsparenden OLED-Displays prophezeien Experten eine große Zukunft. Noch ist die Technologie nicht ausgereift und nur bei kleineren Bildschirmen zu finden. Das Manko: Die organischen Leuchtdioden sind wasser- und luftempfindlich. Die preiswerten Rückprojektionsfernseher dagegen sind fast so groß wie Röhrengeräte, haben ein dunkles Bild und einen geringen Sichtwinkel. Für die nächsten beiden Jahre bleiben LCD- und Plasma-Displays also die heißesten Konkurrenten. Aktuell haben LCD-Fernseher einen Marktanteil von rund 70 Prozent. Die Plasmas liegen bei etwa 30 Prozent. Firmen wie Fujitsu Siemens und Toshiba gehen vom Siegeszug der LCDs aus.
Blaulicht: Schlacht um DVD-Nachfolger
HD-DVD und Blu-ray Disc kämpfen um den Thron
Der Krieg geht weiter. Weil sich die Kontrahenten um Sony und Toshiba nicht auf einen Standard für den DVD-Nachfolger einigen konnten, stehen die beiden Fronten enorm unter Druck: “Durch den Kampf der PC-Unternehmen mit den Herstellern von Heimelektronik um die Kontrolle der Home-Media-Server stehen Milliarden Dollar auf dem Spiel”, sagt David Mercer von Strategy Analytics. “Die Ablösung der DVD spielt dabei eine bedeutende Rolle für Erfolg oder Scheitern jeder Gruppe”, glaubt der Vice President des internationalen Marktforschungsunternehmens mit Hauptsitz in Boston.
In seiner Blu-ray-Fraktion versammelt Sony 150 Mitglieder von Apple über Metro-Goldwyn-Mayer, Pioneer, Panasonic, Philips, JVC und Thomson. Um Anführer Toshiba auf der HD-DVD-Gegenseite scharen sich 230 Firmen, darunter Microsoft, Intel, NEC, Sanyo, Canon und Universal Pictures. Einige Studios möchten sich nicht festlegen und in beiden Formaten produzieren - wie Warner Bros. und Paramount Home Entertainment. Verlierer ist in jedem Fall der Verbraucher: Er muss mit inkompatiblen Systemen leben.
Der Ausgang der Schlacht ist ungewiss. Analyst Ted Schadler von Marktforscher Forrester sieht Blu-ray vorn: In etwa zwei Jahren werde das Konsortium um Sony einen teuer erkauften Sieg davontragen. Für die meisten Industrievertreter zeigt sich die Lage jedoch unentschieden. Beide Technologien werden sich behaupten, so die Prognosen von Analysten und Unternehmern. HD-DVD zeige seine Stärken im PC-Umfeld, Blu-Ray werde vor allem bei Geräten der Heimelektronik wie Playern und Recordern dominieren. “Vor diesem Hintergrund wird es auch weiterhin hybride Player und Recorder geben”, sagt Peter Eßer, Executive Vice President von Fujitsu Siemens Computers.
Schlachtfeld Kopierschutz
Wer Musik oder Filme kauft, möchte diese Produkte unbegrenzt nutzen. Doch Film- und Musikindustrie sehen durch Datenpiraten ihre Umsätze schwinden. Deshalb bestehen die Studios auf Kopierschutz, möchten Aufzeichnungen und Vervielfältigung umfassend kontrollieren. “Im Kampf gegen Piraten riskieren wir, dass wichtige Verbraucherrechte auf der Strecke bleiben”, warnt Gary Shapiro, President und CEO des US-Branchenverbandes Consumer Electronics Association (CEA). Zudem können sich die Hersteller nicht auf einen einheitlichen Standard für das digitale Rechtemanagement einigen.
Siehe auch:
“Fernseher im Zentrum”, Interview mit Peter Eßer, Executive Vice President Volume Products and Supply Operations von Fujitsu Siemens Computers

