Vorsicht vor schwarzen Schafen!
Cathrin schrieb am Mittwoch, 30. November 2005, 12:06
Interview mit Oliver Bendel, Leiter des Zentrums für Innovation, Medien und Technologien der Pädagogischen Hochschule Weingarten über E-Learning als Chance, sich “nebenbei” im Job weiterzubilden. Das Interview führte Cathrin Günzel im November 2005, es wurde bei FOCUS Online veröffentlicht.
Sind E-Learning-Angebote genauso anspruchsvoll wie klassische Weiterbildungskurse?
Bendel: Selten. Schnelles Nachfragen, spontane Hilfe bei individuellen Problemen sind meist nicht möglich. Dafür spart das Online-Lernen Fahrtkosten und -zeit, passt sich besser in den Berufsalltag ein. Im Web kann jeder meist lernen, wann und wie schnell es ihm passt. Eine gute Ergänzung sind Videokonferenzen mit dem Dozenten, die manche Institute ihren Kunden anbieten.
Welche Fragen würden Sie dem Anbieter eines E-Learning-Kurses vor Vertragsabschluss stellen?
Bendel: Handelt es sich um eine zertifizierte Aus- oder Weiterbildung? Mit welchem Abschluss? Landet das Institut in Rankings auf vorderen Plätzen? Wie lange ist es schon am Markt, kann es Referenzen vorweisen? Bin ich auf mich allein gestellt oder erhalte ich Hilfe von Tutoren in festen Lerngruppen? Werden nur Textdateien verschickt oder gibt es Multimedia-Inhalte, Simulationen und interaktive Tests? Berät der Anbieter vorab auch persönlich oder bietet einen Gratis-Schnupperkurs an? Welche Kosten entstehen bei vorzeitigem Ausstieg? Finger weg, wenn sich auf der Internetseite kein einziger direkter Ansprechpartner findet.
Welche Ausrüstung ist nötig?
Bendel: Für Videos und große Dateien ist eine schnelle Internetverbindung wichtig. Für 3D-Simulationen braucht der Computer einen schnellen Prozessor und eine geeignete Grafikkarte. Auch ein Drucker sollte vorhanden sein.
Welche Fachgebiete eignen sich besonders für das E-Learning?
Bendel: Jedes Thema kann dafür aufbereitet werden. In den vergangenen Jahren haben sich aber Naturwissenschaften und Medizin als besonders stark erwiesen. Auch in der Sprachausbildung, in wirtschaftlichen Fächern oder in der Managementweiterbildung hat sich E-Learning bewährt.
Was sollten E-Learning-Trainer und Betreuer in jedem Fall leisten?
Bendel: Für technische und inhaltliche Fragen oder Probleme sollten sie sich wirklich Zeit nehmen. Fragen Sie vorab, wieviel Zeit dafür konkret vorgesehen ist! Manche Firmen sparen an der Betreuung. Der Weiterbildungsmarkt ist leider voller schwarzer Schafe.
Weitere Informationen:
Artikel “E-Learning: Büffeln nach Feierabend” von Cathrin Günzel bei FOCUS Online: Wer heutzutage den beruflichen Anschluss nicht verpassen will, klemmt sich nach Feierabend hinter seinen Computer und nimmt an einem Fernlehrgang teil.
Links:
E-Learning-Kurse
E-Learning-Angebote zur beruflichen Weiterbildung von 84 Anbietern verzeichnet die ELDOC-Datenbank des Bundesinstituts für Berufsbildung.
News
Über E-Learning in Unternehmen und Hochschulen sowie E-Learning-Trends berichtet Checkpoint E-Learning.
Rechtliches
Über Rechtsvorschriften und Zulassungsverfahren für Fernlehrgänge informiert die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU). Interessenten finden Ratgeber für Fernunterricht, Instituts- und Lehrgangslisten.
Fernlehrgänge
Hunderte Fernlehrgänge verzeichnet die Datenbank des Fachverbands für Fernlernen und Lernmedien.

